Montag, 2. November 2009

Agenda-Setting der Massenmedien

Medien mögen zwar nicht erfolgreich darin seien dem Rezipienten zu vermitteln, was er denken soll, aber zumindest sind sie erfolgreich darin zu vermitteln, worüber er nachdenken soll, indem sie den Meinungsgegenstand erwähnen. Diese Prioritätensetzung führt dazu, dass bestimmte Ereignisse, Personen, öffentlichen Themen und Fragestellungen, die den Medien nicht berichtenswert erscheinen, gar nicht erst beim Rezipienten ankommen – zumindest nicht durch Medien. Als direkter oder indirekter Konsument solcher Medien (denn entziehen können wir uns ihnen nicht) müssen wir uns im Klaren sein, dass gesellschaftlich kontroverse Fragen und Probleme, wie Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Inflation, etc. erst durch Medien zu solchen Themen werden.
Die Auswirkungen dieses agenda-setting sind natürlich in erster Linie in solchen Bereichen groß, bei denen es nicht zu einer anderweitigen Konfrontation der Menschen mit den behandelten Themen kommt. Inflation ist beispielsweise ein täglich zu erfahrender Gegenstand, der Menschen im Alltagsleben betrifft. Die Kriminalitätsstatistik dagegen ist weniger vom Einzelnen zu beobachten.
So lässt sich die Themenagenda der Medien auch als aktives Konstruieren bzw. Rekonstruieren von Ereignissen beschreiben. Dabei kann durchaus eine eher artifizielles Bild der Wirklichkeit entstehen. Die Medien schaffen dann eine neue sekundäre Umwelt. Häufig werden Themen und Probleme behandelt, zu denen der Einzelne keine persönliche Erfahrung beisteuern kann, von denen er ausschließlich etwas weiß, weil die Medien darüber berichten.
Die selektive „Medienrealität“ wird somit wesentlich zur „sozialen Realität“ und zum Gegenstand öffentlichen Diskurses.

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