EINE "deutsche Kultur"? Inwiefern? Ist bayrische Kultur dann Teil der deutschen Kultur? Und die aus Norddeutschland auch? Worin findet man die Schnittmenge zwischen diesen Kulturen? Und ist das dann die deutsche Kultur?
Die Krönung solcher Behauptungen ist immer, von einem Nationalstaat auf eine gemeinsame Kultur zu schließen (wodurch aus EINER "deutschen Kultur" dann meist DIE "deutsche Kultur" wird).
Zwar erhöht ein gemeinsamer Staat die Chance auf Kommunikation der Bevölkerung untereinander, ermöglicht somit die Emergenz von Kultur, aber ein Staat macht diese noch lange nicht aus. Kommunikation gab es VOR den relativ jungen Gebilden der Staaten und sie wird es auch NACH dem Verschwinden dieser geben. (Vorausgesetzt staatliche Strukturen schaffen es nicht auch den letzten Mensch auf dieser Welt zu vernichten.) Auch andersherum sollte man nicht der Annahme verfallen, dass sich DIE "deutschen Staaten" aus ihrer kulturellen Nähe zusammengeschlossen haben. Vielmehr steht hinter solchen Zusammenschlüssen immer eine enorme Gewalt (im Falle Deutschlands hieß diese Preußen, im Falle der USA war es ein gemeinsames Feindbild: England).
Lasst es mich klarstellen: Ich bezweifle nicht, dass der Ort & Sprache Faktoren für das Auftreten von Kultur sind - Dass diese Faktoren korrelieren, heißt aber noch lange nicht, dass sie sich kausal bedingen. So gibt es auch zahlreiche andere Faktoren, die damit ebenfalls korrelieren.
Der Ort ist nur insofern von Relevanz, da die physikalische Nähe die Kommunikationswahrscheinlichkeit der Individuen untereinander erhöht. Sprache nur insofern, da sie die Kommunikation wesentlich vereinfacht.
Letzterer Faktor ist auch der Grund dafür, dass DIE "deutsche Kultur" wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten mit der Österreichs und der deutschsprachigen Schweiz, als zu der Frankreichs und der französischsprachigen Schweiz hat.
Und nun zu der interessanten Behauptung, dass "wir" DIE "deutsche Kultur" durch eine zunehmende Globalisierung verlieren. Mal abgesehen davon, dass Kulturen ohnehin einem dauerhaftem Wandel unterlegen sind & es niemals DIE Kultur gibt, gab oder geben wird eine angeblicher Kulturverlust ständig mit einer Annäherung DER "Kulturen" verwechselt. Die Transformation von Kultur hat nichts - und auch wirklich gar nichts! - mit einem Kulturverlust zu tun. Noch weniger hat dies mit einem "Kulturimperialismus" einer fremden Macht (meist: Die USA) zu tun. Diese Minderwertigkeitsgefühle, die durch die Zuordnung zu einer höheren Gruppe (DIE "deutsche Kultur") kompensiert werden, kann & will ich nicht teilen.
V.a. zu dem sog. "Kulturimperialismus" ist folgendes anzumerken: Zunächst einmal zwingt uns i.d.R. keine fremde Macht in irgendeiner Weise einen gewissen Habitus anzunehmen, sondern dieses geschieht wenn vielmehr freiwillig. (Mal abgesehen von aggressiven Ausbreitungsstrategien, der strategischen Zerschlagung "nativer, amerikanischer Kultur" nach der "Entdeckung" Amerikas)
Der "Kulturimperialismus" über den wir in der heutigen Zeit sprechen bezieht sich meist auf das Abkupfern von bestimmten Normen - ich wüsste auch nicht, dass wir im großen Stil "fremde Werte" importieren würden. Zudem werden häufig Modernisierungsprozesse übersehen. Wenn sich ein Wert verändert (z.B. "Materialismus") ist dies viel eher auf Bedingungen zurückzuführen, die nicht innerhalb der Kultur zu finden sind, sondern z.B. mit dem Lebensstandard oder der benutzten Technologie. (Kultur mag nach manch jemanden Definition, diese Dinge umfassen, dann beginnt man m.E. aber sich in Tautologien zu flüchten, indem man Kultur als so groß definiert, dass dieser Begriff eigentlich alles - und somit überhaupt nichts mehr - aussagt.) Oder wie ich schon sage: "Amerikanisierung ... ist, wenn man bei McDonald's isst und wenn Amerikaner Mercedes fahren, äh..., dann ist das eben auch Amerikanisierung!"
Wie gesagt, sind solche geschürten Ängste der "Entfremdung", die ja anscheinend auf einen fruchtbaren Boden treffen, eher ein klares Zeichen für ein großes Maß an Verwirrung, bei dem sich der wenig selbstsichere an Dinge klammert, die außerhalb seinerselbst liegen.
Darüberhinaus gibt es innerhalb einer Kulturregion (was auch immer dieser schwammige Begriff heißen mag) so starke Divergenzen, dass es wohl schwer möglich ist, von EINER Kultur für EINE Region in EINER Zeit zu sprechen: Oder würdest man behaupten können, dass die Arbeiterschicht das gleiche Verhalten an den Tag legt, wie etwa die Elité? Sehen ihre Häuser gleich aus? Wird das gleiche gegessen? Oder die gleiche Musik gehört? Wohl kaum können wir hier von EINER Kultur sprechen...
Die Krönung solcher Behauptungen ist immer, von einem Nationalstaat auf eine gemeinsame Kultur zu schließen (wodurch aus EINER "deutschen Kultur" dann meist DIE "deutsche Kultur" wird).
Zwar erhöht ein gemeinsamer Staat die Chance auf Kommunikation der Bevölkerung untereinander, ermöglicht somit die Emergenz von Kultur, aber ein Staat macht diese noch lange nicht aus. Kommunikation gab es VOR den relativ jungen Gebilden der Staaten und sie wird es auch NACH dem Verschwinden dieser geben. (Vorausgesetzt staatliche Strukturen schaffen es nicht auch den letzten Mensch auf dieser Welt zu vernichten.) Auch andersherum sollte man nicht der Annahme verfallen, dass sich DIE "deutschen Staaten" aus ihrer kulturellen Nähe zusammengeschlossen haben. Vielmehr steht hinter solchen Zusammenschlüssen immer eine enorme Gewalt (im Falle Deutschlands hieß diese Preußen, im Falle der USA war es ein gemeinsames Feindbild: England).
Lasst es mich klarstellen: Ich bezweifle nicht, dass der Ort & Sprache Faktoren für das Auftreten von Kultur sind - Dass diese Faktoren korrelieren, heißt aber noch lange nicht, dass sie sich kausal bedingen. So gibt es auch zahlreiche andere Faktoren, die damit ebenfalls korrelieren.
Der Ort ist nur insofern von Relevanz, da die physikalische Nähe die Kommunikationswahrscheinlichkeit der Individuen untereinander erhöht. Sprache nur insofern, da sie die Kommunikation wesentlich vereinfacht.
Letzterer Faktor ist auch der Grund dafür, dass DIE "deutsche Kultur" wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten mit der Österreichs und der deutschsprachigen Schweiz, als zu der Frankreichs und der französischsprachigen Schweiz hat.
Und nun zu der interessanten Behauptung, dass "wir" DIE "deutsche Kultur" durch eine zunehmende Globalisierung verlieren. Mal abgesehen davon, dass Kulturen ohnehin einem dauerhaftem Wandel unterlegen sind & es niemals DIE Kultur gibt, gab oder geben wird eine angeblicher Kulturverlust ständig mit einer Annäherung DER "Kulturen" verwechselt. Die Transformation von Kultur hat nichts - und auch wirklich gar nichts! - mit einem Kulturverlust zu tun. Noch weniger hat dies mit einem "Kulturimperialismus" einer fremden Macht (meist: Die USA) zu tun. Diese Minderwertigkeitsgefühle, die durch die Zuordnung zu einer höheren Gruppe (DIE "deutsche Kultur") kompensiert werden, kann & will ich nicht teilen.
V.a. zu dem sog. "Kulturimperialismus" ist folgendes anzumerken: Zunächst einmal zwingt uns i.d.R. keine fremde Macht in irgendeiner Weise einen gewissen Habitus anzunehmen, sondern dieses geschieht wenn vielmehr freiwillig. (Mal abgesehen von aggressiven Ausbreitungsstrategien, der strategischen Zerschlagung "nativer, amerikanischer Kultur" nach der "Entdeckung" Amerikas)
Der "Kulturimperialismus" über den wir in der heutigen Zeit sprechen bezieht sich meist auf das Abkupfern von bestimmten Normen - ich wüsste auch nicht, dass wir im großen Stil "fremde Werte" importieren würden. Zudem werden häufig Modernisierungsprozesse übersehen. Wenn sich ein Wert verändert (z.B. "Materialismus") ist dies viel eher auf Bedingungen zurückzuführen, die nicht innerhalb der Kultur zu finden sind, sondern z.B. mit dem Lebensstandard oder der benutzten Technologie. (Kultur mag nach manch jemanden Definition, diese Dinge umfassen, dann beginnt man m.E. aber sich in Tautologien zu flüchten, indem man Kultur als so groß definiert, dass dieser Begriff eigentlich alles - und somit überhaupt nichts mehr - aussagt.) Oder wie ich schon sage: "Amerikanisierung ... ist, wenn man bei McDonald's isst und wenn Amerikaner Mercedes fahren, äh..., dann ist das eben auch Amerikanisierung!"
Wie gesagt, sind solche geschürten Ängste der "Entfremdung", die ja anscheinend auf einen fruchtbaren Boden treffen, eher ein klares Zeichen für ein großes Maß an Verwirrung, bei dem sich der wenig selbstsichere an Dinge klammert, die außerhalb seinerselbst liegen.
Darüberhinaus gibt es innerhalb einer Kulturregion (was auch immer dieser schwammige Begriff heißen mag) so starke Divergenzen, dass es wohl schwer möglich ist, von EINER Kultur für EINE Region in EINER Zeit zu sprechen: Oder würdest man behaupten können, dass die Arbeiterschicht das gleiche Verhalten an den Tag legt, wie etwa die Elité? Sehen ihre Häuser gleich aus? Wird das gleiche gegessen? Oder die gleiche Musik gehört? Wohl kaum können wir hier von EINER Kultur sprechen...
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