"Und mit Sicherheit zerstreut sich die Seele im selben Moment, in dem sich der Organismus als Ganzes auflöst, in alle Richtungen, verliert die Fähigkeiten, die ihr zuvor zu eigen waren, und bewegt sich nicht mehr. Demzufolge ist ihr dann auch kein Wahrnehmungsvermögen mehr zu eigen.
Denn es lässt sich unmöglich denken, dass unsere Seele noch wahrnehmungsbegabt ist (ohne sich ja in dem genannten organischen System zu befinden und ohne die erwähnte Bewegung auszuführen), sobald das, wovon sie zuvor zusammengehalten und geschützt wurde, nicht mehr so besteht wie jetzt, da sie sich in diesem Zusammenhalt befindet und die entsprechende Bewegung genießt.
Über das bereits Gesagt hinaus muss man noch den Gedanken berücksichtigen, dass wir in der normalen Umgangssprache dasjenige als körperlos bezeichnen, was nur »an und für sich« gedacht werden kann. An und für sich aber kann man sich das Körperlose nur als Leere denken. Die Leere kann nämlich Handlungen weder ausführen noch von ihnen betroffen werden, vielmehr bietet sie lediglich den Körpern die Möglichkeit, sich durch sie hindurch zu bewegen.
Daher geben diejenigen leeres Geschwätz von sich, die behaupten, dass die Seele körperlos sei - denn sie könnte ja weder irgendetwas ausführen noch von irgendetwas betroffen werden, wenn sie das wäre. Genau diese beiden unterschiedlichen Eigenschaften erkennen wir der Seele aber doch in Wirklichkeit zu."
Epikur
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